Der deutsche Blick: die Wangenküsschen, das Duzen und die Kunst, laut zu sprechen
Man glaubt, Spanien schon ein bisschen zu kennen, schließlich ist es nur ein paar Flugstunden entfernt. Und dann kommt man an und entdeckt tausend kleine Codes, die nicht die eigenen sind. Nichts Schlimmes, im Gegenteil: Hinter der Form steckt eine Wärme, die einem fehlt, sobald man wieder zu Hause ist.
Wangenküsschen statt Handschlag
Wer aus Deutschland kommt, ist an den Handschlag gewöhnt, vielleicht noch an eine Umarmung unter guten Freunden. Hier, an der Costa Blanca, begrüßt man sich mit zwei Wangenküsschen, und zwar auch bei der allerersten Begegnung, sogar im geschäftlichen Kontext. In der ersten Woche kommt es zu der ein oder anderen unbeholfenen Beinahe-Kollision, weil man nicht weiß, auf welcher Seite man anfangen soll. Man gewöhnt sich schnell daran, und irgendwann fühlt sich der Handschlag fast distanziert an.
Das tú, überall
Das deutsche Sie, sorgfältig gepflegt zwischen Fremden, Kollegen und Behörden, existiert an der Costa Blanca kaum noch. Man wird auf dem Markt geduzt, in der Bank, beim Arzt, manchmal sogar im Rathaus. Das usted ist Großeltern und sehr feierlichen Anlässen vorbehalten. Für jemanden, der mit dem deutschen Sie als Ausdruck von Respekt aufgewachsen ist, ist das zunächst irritierend, dann befreiend: Alle sind sofort ein bisschen näher.
Guapo, guapa, cariño
An der Theke nennt einen die Bäckerin cariño (mein Schatz), der Fischhändler ruft einem ein guapa (meine Schöne) zu. Das ist kein Flirt, das ist die Sprache des Alltags, eine Art, das Gespräch weicher zu machen. In Deutschland würde eine solche Anrede zwischen Fremden befremden. Wer darin nur Anmache statt Zuneigung sieht, verpasst etwas.
Laut sprechen heißt Zusammenleben
Und schließlich die Lautstärke. Bars sind laut, man spricht über andere hinweg, man unterbricht sich mit Elan. Der Deutsche hört darin zunächst einen bevorstehenden Streit. Das Gegenteil ist der Fall: Es ist Leben, Energie, Präsenz. Man berührt sich am Arm, steht dicht beieinander, lacht laut. Man lernt, die eigene Zurückhaltung abzulegen und die Lautstärke aufzudrehen.
Der deutsche Blick ist die Kolumne, in der wir Spanien mit deutschen Augen betrachten, mit Zuneigung und ohne uns selbst zu ernst zu nehmen. Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt, anschließend von unserer Redaktion geprüft, gegengelesen und redaktionell verantwortet.
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